Interview mit Lars Lutfullahoglu (SDAJ) zur Jugendorganisierung in Deutschland

0
45

Auch in Deutschland wächst der Protest gegen Krieg, Aufrüstung und die Unterstützung Israels beim Genozid an der palästinensischen Bevölkerung durch die Bundesregierung. Insbesondere junge Menschen beteiligen sich an Solidaritätsdemonstrationen mit Palästina und organisieren Widerstand gegen imperialistische Politik. Über diese Entwicklungen sprachen wir mit Lars Lutfullahoglu von der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ).

Hallo, wie würdest du dich bitte kurz vorstellen?

Hallo, ich bin Lars, bin 19 Jahre alt und wohne in Münster. Ich bin seit 2,5 Jahren politisch aktiv und kämpfe mit SchülerInnen, Azubis und Studenten für eine bessere Welt. Ich fange bald eine Ausbildung als Industriemechaniker an.

Wie beurteilst du als junger Mensch, der in Deutschland lebt, die grundlegenden Probleme, mit denen junge Menschen heute konfrontiert sind?

Die Jugend in Deutschland ist mit vielen Problemen konfrontiert. Es fängt an mit unterfinanziertem Bildungssystem, Schulgebäude, die seit Jahren sanierungsbedürftig sind, Klassenzimmer mit über 30 SchülerInnen, sodass viele nicht mit dem Unterrichtsstoff hinterherkommen. Die Ausbildungsmöglichkeiten sind auch nicht das, was wir eigentlich bräuchten. Ausbildungen werden so schlecht bezahlt, dass man damit kaum selber wohnen kann. Oft muss man in seiner Ausbildung Sachen machen, die damit eigentlich nix zu tun haben, und auch die schlechten Arbeitsbedingungen in der Ausbildung. Die Ausbildungsplätze werden immer weiter abgebaut oder akademisiert, um die Kosten von den Unternehmen an die Fachkräfte abzuwälzen.

Das größte Problem ist im Moment die stärkste Aufrüstung seit dem 2. Weltkrieg. Der Staat gibt seit Jahren Hunderte Milliarden Euro für die Bundeswehr aus, um die stärkste Armee Europas aufzubauen, um die Möglichkeit zu haben, einen Krieg im Osten führen und gewinnen zu können. Dafür setzt die Bundeswehr immer stärker auf öffentliche Präsenz, durch Besuche in Schulen, auf Jobmessen, Konzerte und sogar bei der Gamescom, der größten Videospielmesse. Der gewaltigste Schritt, um die 450.000 geplanten SoldatInnen zu bekommen, ist die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Am 05.12. hat die Regierung das „Wehrdienstmodernisierungsgesetz“ beschlossen, bei dem alle Männer ab dem Jahrgang 2008 gemustert werden sollen und einen Brief von der Bundeswehr bekommen. In diesem Gesetz steht auch drin, dass, wenn der Bedarf nicht mit der Freiwilligkeit gedeckt werden kann, diese Männer auch gezwungen werden.

Die Jugend nimmt das aber nicht hin! Die Musterungsbriefe werden von ¼ aller Jugendlichen nicht beantwortet. Durch diesen Angriff auf die Jugend hat sich eine Bewegung gegründet, nämlich die „Schulstreiks gegen die Wehrpflicht“, und beim ersten Streik waren über 55.000 SchülerInnen in 150 Städten auf der Straße gegen die Einführung der Wehrpflicht und der Militarisierung. Es wurde schon drei Mal gestreikt, und die Perspektive ist, dass es nach dem Sommer weiter Streiks geben soll, um den Unmut mit der Kriegstüchtigkeit zu zeigen und den damit verbundenen Abbau von sozialen Errungenschaften!

Wir haben beobachtet, dass junge Menschen in Deutschland insbesondere bei den Pro-Palästina Protesten sehr aktiv und präsent sind. Wie bewertest du die Sensibilität junger Menschen für dieses Thema und ihre Beteiligung an diesem Kampf?

Die Palästina-Bewegung ist eine, die vor allem durch Social Media stark beeinflusst ist und damit auch vor allem junge Menschen erreicht. Vor ein oder zwei Jahren war der Konsens, dass Israel in Palästina Kriegsverbrechen begeht, noch nicht so stark wie jetzt. Israel importiert 1/3 ihrer Waffen aus Deutschland, weswegen Deutschland auch unmittelbar an dem Genozid beteiligt ist.

Die Aktivität und der Kampf um die Befreiung Palästinas und die Abkehr Deutschlands von Israel ist vor allem ein Kampf von jungen Menschen. Jedoch was stark fehlt, ist es, eben auch mehr die Arbeiter zu erreichen, die die Möglichkeit haben, die Waffenexporte unmittelbar zu stoppen. Die Gewerkschaftsjugenden beschäftigen sich wenig mit Palästina, da genau diese Positionen nicht reingetragen werden, und ich würde sagen, dass diese Bewegung und der Kampf gegen den Waffenexport sich auch in den allgemeinen Kampf gegen die Aufrüstung Deutschlands einordnet.

Viele Menschen wissen von der katastrophalen Lage in Palästina und dem Völkermord, jedoch ist es eine Schwäche von uns, diese nicht aktivieren zu können und den Kampf in die Betriebe, Schulen und Unis zu bringen.

Was kann getan werden, damit die Kämpfe, die junge Menschen weltweit führen, stärker und besser organisiert werden? Wie können Jugendbewegungen weiterentwickelt und gestärkt werden?

Das Wichtigste ist, dass die jungen Menschen sich besonders in progressiven Organisationen vereinen. Die Kampfkraft, die die Jugend hat, ist stark, aber um systematische Änderungen zu schaffen, ist es wichtig, sich auch außerhalb der Jugend zu vernetzen und gemeinsame Aktionen zu machen. Die Art, Kämpfe zu führen und sich zu organisieren, ist aus meiner Meinung, sich in den Betrieben, Schulen und Unis zu organisieren.

Durch Schülervertretungen, Betriebsräte und Fachschaften, aber auch außerhalb dessen sich gemeinsam zu treffen, Probleme ausfindig zu machen und gemeinsam mit seinen Kollegen, MitschülerInnen oder Kommilitonen für Verbesserungen zu kämpfen und damit das Bewusstsein der Veränderbarkeit der Welt zu schaffen. Jugendbewegungen müssen auch immer stark mit Gewerkschaften und anderen sozialen Kräften verbunden werden, um das volle Potenzial der Bewegung und der Arbeiter nutzen zu können.

Die Stärkung der Bewegungen muss durch internationale Vernetzungen wie z. B. der WBDJ (Weltbund Demokratischer Jugend), bei denen über internationale Erfahrungen ausgetauscht werden kann, man herausfinden kann, welche Solidaritätsarbeit gerade am wirksamsten ist und die Zusammenhänge der Kämpfe der verschiedenen Jugendbewegungen zu finden. Denn nur wenn wir gemeinsam, ob in unserem Betrieb, in unserer Stadt, unserem Land oder unserer Erde, kämpfen können wir auch alles erreichen, was wir uns vornehmen und eine bessere Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung, eine Welt mit mehr Mitbestimmung und ohne Hunger schaffen!

CEVAP VER

Please enter your comment!
Please enter your name here

Bu site, istenmeyenleri azaltmak için Akismet kullanıyor. Yorum verilerinizin nasıl işlendiği hakkında daha fazla bilgi edinin.